Von filigran über pompös bis brillant aufgespielt

Die Musikgesellschaft Konkordia überzeugte mit ansprechendem wie anspruchsvollem Programm

VON EUGEN N. A. RAUBER-HOLLE


Am Samstagabend und Sonntagnachmittag überzeugte die «Konkordia» unter der Direktion von Carlo Balmelli bei ihrem Jahreskonzert mit einem tollen Klangerlebnis in sprühenden Registerfarben, kompetent moderiert von Michael Nünlist.

Den Auftakt machte «Conzensus», ein Werk des Belgiers Jan Van der Roost, das dieser 1996 in drei unterschiedlichen Fassungen – nicht nur für Brassband und Fanfare Band, sondern auch für Blasorchester, dem ein Harmonie-Klangkörper wie die «Konkordia » gleichzusetzen ist – komponiert hat. Seine Absicht war, den spezifischen Klangfarben dieser sich voneinander deutlich unterscheidenden Formationen differenzierter und ausgeprägter Ausdruck verleihen zu können. Und genau das vermittelte die «Konkordia» sehr eindrucksvoll sowohl mit den gravitätisch pompösen, wuchtigen Eingangsakkorden als auch in satten, aber dennoch durchsichtig bleibenden Registern.

Prüfstein als Höhepunkt
Das 1984/85 als Auftragskomposition zur 100-Jahr-Feier der englischen «Cory Band» vom 1951 geborenen Briten Philip Sparke geschriebene dreiteilige Stück «The Year of the Dragon» ist vornehmlich aus der Brass-Band-Szene bekannt. Es lotet äusserst anspruchsvoll die technischen und klanglichen Möglichkeiten eines modernen Blasorchesters aus. Effektvoll mit Trommel und Pauke wird die swingende «Toccata» eingeleitet. Den Mittelsatz «Interlude» dominierten breit angelegte, in ruhigen Metren dahinfliessende und mit einschmeichelnder Wärme sehr schön filigran geblasene Soli für Englischhorn. Das abschliessende «Finale» als bewegter, furioser Schlusssatz stellte die Virtuosität aller Register auf eine harte Probe, der sich die Musikantinnen und Musikanten der «Konkordia» allerdings brillant gewachsen zeigten. Ihrem Auftritt mit «The Year of the Dragon» als Selbstwahlstück im Juni am Zürcher Kantonalen Musikfest 2013 in der 1. Stärkeklasse Harmonie dürfte mit Sicherheit beachtlicher Erfolg beschieden sein! Den Abschluss des ersten Konzertteils bildete ein Arrangement von Johan de Meij, das dieser in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten Patrick Doyle aus dessen Filmmusik zu «Henry V.» zusammengestellt hat. Es zeichnet ein sehr plastisches musikalisches Genrebild kriegerischer Szenen und wogenden Schlachtengetümmels aus dem Frankreich-Feldzug Heinrichs V., den er als Schwiegersohn von Heinrich I. von England im Jahre 1124 gegen König Ludwig VI. unternahm und der bei Metz ergebnislos abgebrochen wurde. Berührend das von Männern einstimmig gesungene choralartige «Non Nobis Domine», um das sich nacheinander sanft einzelne Instrumentengruppen als Gegenstimmen schlängelten und das Stück lyrisch in einem hymnisch angelegten Finale ausklingen liessen.

«Die «Konkordia» meisterte ihr Selbstwahlstück für das Zürcher Kantonale Musikfest mit Bravour.

Südamerikanische Rhythmen
Nach der Pause präsentierte die «Konkordia» eher unkonventionelle Blasmusik. Vertrackte heisse Rhythmen aus mexikanischen und kubanischen Tanzelementen hatte Arturo Márquez in sein von Oliver Nickel arrangiertes Stück «Conga del Fuego Nuevo» verpackt, die dem rhythmischen Empfinden von uns Europäern ziemlich zuwiderlaufen, doch die «Konkordianer/-innen» meisterten sie bravourös. «Miniatures Brasileiras» des eher klassischen Komponisten Hudson Nogueira machten deutlich, dass er seine in Brasiliens Volksmusik zurückreichenden Wurzeln trotz kolonialherrlicher Einflüsse keineswegs verleugnet, sondern ihre rhythmischen Tücken geschickt in seine Kompositionen einflicht. Mit einer Auswahl von drei Sätzen aus der «Nomenclatura Suite» des Niederländers Peter Kleine Schaars war ein minimer Stilwechsel verbunden. Aber auch «Salsa Suspention», «Cargo Funk» und «Tax free» fügten sich stimmig und sehr gut in die Reihe der das Programm abrundenden Komponisten gehobener Unterhaltungsmusik, die vor allem dem Team der Perkussionisten viel abverlangten. Echt bereichernd in allen Belangen war die geschickte klangliche Unterstützung des Bass-Registers durch einen Streicher-Kontrabass.

Zwei Zugaben erklatscht
Der begeisterte Applaus des Publikums erheischte zwei Zugaben: «Malagueña» des Kubaners Ernesto Lecuona, arrangiert von Sammy Nestico, und den «Solothurner Marsch» des einheimischen Komponisten Stephan Jaeggi aus Fulenbach mit seinen anheimelnden, hübschen Zitaten aus dem «Solothurnerlied».

Oltner Tagblatt vom 15. Januar 2013