«Fledermaus» feierte grandiose Erstaufführung

Minutenlanger Applaus und Standing Ovations bei der Premiere von «Die Fledermaus»

VON EDGAR STRAUMANN
Auch wenn ganz klar kommuniziert wurde, dass «Die Fledermaus» ein einmaliges Projekt sei, kann man sich nur wünschen, dass sich ein Nachfolger findet.


Als vor bald einem Jahr bekannt wurde, die Musikgesellschaft «Konkordia » Egerkingen würde sich an die Aufführung der Johann Strauss Operette «Die Fledermaus» wagen, durfte man schon gespannt sein, was aus diesem Projekt werden würde. Schon die Idee, die Begleitmusik von einem Blasorchester spielen zu lassen, erstaunte in Fachkreisen. Doch der Dirigent der «Konkordia», Carlo Balmelli, kennt in seiner bald zehnjährigen Tätigkeit die Qualitäten seines Vereines und wusste auch von dem Blasmusik-Arrangement dieser Operette.

Im August letzten Jahres fand unter der Leitung von Gemeindepräsidentin Johanna Bertholdi die erste OK-Sitzung statt. Von da an ging es rasant vorwärts. Wie das Resultat an der sonntäglichen Premiere bewies, wurde in allen Belangen hervorragende Arbeit geleistet. Die Verpflichtung der Gesangssolisten für sämtliche Rollen hätte kaum besser gelingen können.

Die Chorgemeinschaft, bestehend aus dem Kirchenchor St. Martin Egerkingen und dem Jodlerclub Gunzgen, Leitung Martin de Vargas, hatte offensichtlich Freude an einer für einmal aussergewöhnlichen Einstudierung und nicht zuletzt die Musikantinnen und Musikanten der Musikgesellschaft «Konkordia». Selbst ein Streichorchester hätte keine besseren Strauss-Melodien interpretieren können. Zum guten Gelingen hat schliesslich auch die Umgestaltung der Mühlmatt Halle in einen eigentlichen Ballsaal beigetragen. Das Bühnenbild mit sämtlichen Requisiten hätte kaum besser ausgestattet werden können und die riesigen Kronleuchter im Publikumsbereich zauberten eine solche Feststimmung hin, sodass kaum mehr etwas schief gehen konnte.

So war es denn auch. Bereits mit der vom Blasorchester gespielten Ouvertüre wurde der Grundstein für den weiteren Erfolg gelegt. Mit dem kultivierten Vortrag wurden die hinreissenden, beschwingten und bekannten Melodien die Erwartungen der Besucherinnen und Besucher nicht nur erfüllt, sondern gar übertroffen. Inhaltlich handelt «Die Fledermaus» von einer Verwechslungs- und Vergeltungskomödie. In der Rolle als Dr. Falke verstand es Patrick Oetterli hervorragend nicht nur seinen Part zu interpretieren, sondern auch als Erzähler zum guten Verständnis beizutragen. Seine teils humoristischen und auf die Region bezogenen Zwischenbemerkungen verpassten beim Publikum die erhofften Wirkungen nicht.

Auch wenn die Originalversion der wohl populärsten Strauss-Operette nicht zuletzt den gegebenen räumlichen Möglichkeiten entsprechend etwas angepasst werden musste, tat dies der gesamten Aufführung überhaupt keinen Abbruch. Der erste und zweite Akt wurde zusammengefasst. Imposant schon zu Beginn der Aufmarsch des Chores, alle Damen und Herren als Ballgäste eingekleidet und so zu einem farbenprächtigen Gesamtbild beitragend. Alexandra Busch (Mezzosopran) konnte ein erstes Mal als Prinz Alexander Orlofsky überzeugen. In gleicher Weise auch die von Eisenstein, Szabina Schnöller (Sopran) als Rosalinde und Raimund Wiederkehr (Tenor) als Gabriel. Ihnen stand in Nichts Stephanie Bühlmann nach, die die Rolle des echten Kammermädchens Adele und dann die angebliche junge Künstlerin Olga ebenfalls mit Bravur spielte. Heitere Szenen wie der Auftritt von Eisenstein als «Marquis Renard» und des Gefängnisdirektors Frank, gespielt von Philipp Müller (Bass) als Chevalier Chagrin» gehören schon fast zwingend zu einer Operette. Auch in Egerkingen war das nicht anders und auch hier hatten die beiden Darsteller die Lacher auf ihrer Seite. Rosalindes heimlicher Verehrer Alfred, gespielt von Peter Bader (Tenor) fügte sich ebenfalls bestens ins Ensemble ein, wie auch die Sopranistin Andrea Vogel als Adeles Schwester Ida.

Nach der ausgedehnten Pause, bedingt für die Umstellung der Szenerie, die sich nun im Vorraum zu den Gefängniszellen abspielte, kamen nochmals alle Besucherinnen und Besucher im ausverkauften Mühlemattsaal voll auf ihre Rechnung. Alle Darsteller hatten im Schlussakt nochmals die Möglichkeit, ihre unbestrittene Klasse unter Beweis zu stellen. Zu diesen gesellt sich auch noch Urs Mühlethaler als Gefängniswärter Frosch, dem man ohne weiteres noch einen Schluck Slivovic mehr gegönnt hätte. Wie hätte es in einer Operette anders ausgehen können, als mit der Auflösung aller Missverständnisse oder gar Intrigen. Das imposante Schlussbild, mit allen Solisten, den drei jungen Dienern, dem souveränen musikalischen Gesamtleiter Carlo Balmelli und nicht zuletzt der perfekt Regie führenden Theresa Lehmann lud geradezu zu einem tosenden Schlussapplaus mit Standing Ovations ein.

Ein Kompliment gebührt ganz klar der Musikgesellschaft «Konkordia » Egerkingen, die seit kurzem von Barbara Junker präsidiert wird. Nicht zu vergessen sind sämtliche Helfer im OK und auch all jene, die in irgendeiner Form zum guten Gelingen beigetragen haben. Auch wenn ganz klar kommuniziert wurde, dass «Die Fledermaus» ein einmaliges Projekt sei, kann man sich nur Wünschen, dass solch mutige Unternehmungen bald Nachfolger finden würden. Der durchschlagende Erfolg in Egerkingen müsste eigentlich Ansporn genug sein.