125-jähriges Jubiläum

Vor 125 Jahren wurde die Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen aus der Taufe gehoben

VON EDGAR STRAUMANN


Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte: die «Konkordia» Egerkingen bei einem Konzert im Oktober 1993 in Hongkong

BILD: BRUNO KISSLING

125-jähriges Jubiläum
Die Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen wird in diesem Jahr 125 Jahre alt. Auf einen eigentlichen Jubiläumsanlass wird verzichtet, vielmehr will man sich auf das umfangreiche und erfolgversprechende musikalische Schaffen konzentrieren. Als Gründungsdatum der «Konkordia» Egerkingen wird der 1. November 1889 aufgeführt. Leider existieren von der Gründungsversammlung keine Originaldokumente mehr. Immerhin wissen die Chronisten Guido von Arx und Guido Lüthi zu berichten, dass bereits ein Jahr später, also 1890, die erste Uniform beschaffen werden konnte. Um die 18 Musikanten, damals war das Musizieren in einem Dorfverein noch den Männern vorbehalten, einkleiden zu können, musste ein Betrag von 1266 Franken aufgewendet werden. Zum Vergleich: Diese Gesamtsumme würde heute bei Weitem nicht einmal mehr für eine einzige Uniform ausreichen. Der noch junge Verein entwickelte sich im damals noch beschaulichen Dorf im Gäu bald einmal zu einem wichtigen Kulturträger. Dazu trugen die Mitglieder mit viel Fleiss und Einsatz bei. Um den Erwartungen gerecht zu werden, scheute man überhaupt keinen Aufwand. So wurde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts für die Vorbereitung eines öffentlichen Auftrittes zwei bis drei Mal pro Woche geprobt. So kam man beispielsweise im Jahre 1928 für zwanzig Anlässe auf 105 Proben.

Liebe zum Tessin entwickelt
Neujahrskonzerte am 1. Januar gehörten lange Zeit zur Tradition. Zur Tradition gehörten auch regelmässig unternommene Vereinsreisen, welche anfänglich noch in die nähere Umgebung wie Langenbruck oder Holderbank führten. Bald aber wurden weiter gelegene Destinationen gewählt, wobei sich so etwas wie eine geheime Liebe zum Tessin entwickelte, was möglicherweise bis in die Gegenwart zu einer nicht unbedeutenden Beziehung geführt hat, steht doch nun schon seit mehr als zehn Jahren mit Maestro Carlo Balmelli ein Südschweizer am Dirigentenpult der «Konkordia». Interessant ist auch ein Protokolleintrag im Zusammenhang mit einer Vereinsreise, die in die Zentralschweiz führen sollte, genauer gesagt auf die Rigi. So ist nachzulesen: «Wer Unruhe oder Händel stiften sollte, oder infolge Trunkenheit sein Instrument nicht mehr handhaben kann, oder auf erteilten Befehl nicht bei der Gesellschaft sein wird, wird mit fünf Franken gebüsst!» Leider ist nicht protokolliert, ob jemand eine Busse bezahlen musste. Protokolliert ist hingegen, dass an der Generalversammlung 1950 der Präsident wünschte, dass das Biertrinken während der Proben zu unterlassen sei. Die leeren Konservendosen, welche damals als Aschenbecher dienten, wurden bereits vorher verboten.

Mit Stephan Jäggi vorbereitet
Im Jahre 1957 besuchte die «Konkordia » Egerkingen erstmals ein eidgenössisches Musikfest. Die Vorbereitung zu dieser Premiere mit keinem Geringeren als dem grossen Solothurner Musiker Stephan Jäggi schien sich gelohnt zu haben, kehrte doch der Verein mit dem Prädikat «vorzüglich» aus Zürich zurück. Ein wichtiger Meilenstein in der Vereinsgeschichte erfolgte im Jahre 1977, als erstmals zwei Frauen die bisherige Männerdomäne zu durchbrechen vermochten, was zu dieser Zeit alles andere als eine Selbstverständlichkeit war. Heute ist das holde Geschlecht im Verein überhaupt nicht mehr wegzudenken, werden doch praktisch auf allen Registern Instrumente von Frauen gespielt. Auch im administrativen Bereich werden wichtige Funktionen von Frauen ausgeführt. So steht seit zwei Jahren Barbara Junker-von Arx der «Konkordia» als Präsidentin vor, die es versteht, den Verein weiterhin auf Erfolgskurs zu halten.

Entscheidende Dirigentenwahl
Die wohl wichtigste Weichenstellung in der Vereinsgeschichte der «Konkordia» Egerkingen erfolgte im Jahre 1986. Die Wahl von Albert Brunner zum neuen Dirigenten löste weit über die Region hinaus ein grosses Echo aus, besass doch der inskünftige musikalische Leiter in Fachkreisen einen ausgezeichneten Ruf. Was man für kaum möglich gehalten hatte, wurde in relativ kurzer Zeit Tatsache. Die «Konkordia» entwickelte sich nicht nur quantitativ, sondern in erster Linie auch qualitativ. Mit der jährlichen Teilnahme an einem Musikwettbewerb wurden in der ersten Stärkeklasse regelmässig Spitzenresultate erzielt, sei es an kantonalen, ausserkantonalen oder eidgenössischen Musikfesten. Ein jeweiliger Podestplatz war dabei praktisch immer auf sicher. Mit der Gründung der Jugendmusik, die gegenwärtig 24 Mitglieder zählt, wurde im Jahre 1992 die Grundlage für eine sichere Zukunft geschaffen. Zu den Highlights zählt sicherlich auch die Konzertreise nach Hongkong im Jahre 1993. Eine 80-köpfige Reisegesellschaft verschaffte sich damit ein unvergessliches Erlebnis, wobei die Kosten von 2600 Franken jedes Mitglied selber berappte.

Conus und Balmelli folgten
Nach zwölfjähriger erfolgreicher Tätigkeit hinterliess Albert Brunner seinem Nachfolger Eric Conus ein Blasorchester der Spitzenklasse. Ihm folgte im Jahre 2003 Carlo Balmelli, ein Vollblutmusiker, der auch noch der Stadtharmonie Zürich Oerlikon-Seebach und der Civica Filarmonica di Mendrisio vorsteht.