Uraufführung löste Begeisterungsstürme aus

«Konkordia» Egerkingen und Gastverein Konkordia Balsthal spielten in voll besetzter Mühlematt-Halle auf

VON EDGAR STRAUMANN


Die Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen kann dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen feiern. Dazu macht sie sich gleich selbst ein Geschenk, indem sie über die Pfingsttage eine Reise in den Kanton Tessin macht und dort gleichzeitig am Kantonalen Musikfest in Bellinzona teilnimmt. Die Musikgesellschaft Konkordia Balsthal ihrerseits hat noch etwas mehr Zeit bis zu ihrer Herausforderung am Solothurner Kantonalmusikfest in Kriegstetten, welches am letzten Juni Wochenende durchgeführt wird Gemeinsam begrüssten Barbara Junker, Präsidentin der Konkordia Egerkingen, und Ruedi Berger, Präsident der «Konkordia» Balsthal, die Besucherinnen und Besucher im vollbesetzten Mühlemattsaal. Die «Konkordia » Balsthal eröffnete den ersten Konzertteil mit «Pastime With Good Company », komponiert von keinem geringeren als King Henry VIII im 16. Jahrhundert. Im Arrangement des Norwegers Trond Elnes wurde aufgezeigt, wie nahe Musik aus der Barockzeit mit der Rockmusik von heute verbunden sein kann.

Mit Aufgabenstück überzeugt
Bereits durfte Rahel Allemann, welche die Ansage des Gastvereins übernommen hatte, auf einen ersten Höhepunkt hinweisen. Dem 1981 im Südtirol geborenen Armin Kofler fiel die Ehre zu, das Aufgabestück der 2. Klasse Harmonie für das Kantonal-Musikfest in Kriegstetten zu komponieren. In dieser Komposition «Etosha» wird das bunte, chaotische und teils auch gefährliche Treiben der Tiere im Nationalpark von Namibia um die kargen Wasserlöcher beschrieben. Unter der Leitung von Hans Burkhalter gelang es dem Balsthaler Blasorchester hervorragend, dieses Treiben bildlich darzustellen. Die Thaler werden Ende Juni im Wasseramt mit diesem Aufgabestück bestimmt überzeugen können. Über vierzig Versionen auf CDs gibt es vom neuseeländischen Wiegenlied «Hine e Hine, Princess Te Rangi Pai». Selbst José Carreras hatte sich diesem Thema angenommen, wie auch Peter Graham, der gebürtige Schotte, mit einem Arrangement für Blasmusik. In diesem getragenen Werk spielte Roman Joller auf dem Flügelhorn den Solopart sehr einfühlsam. In der Folge ging es wieder «wettbewerbsmässig» weiter. Als Selbstwahlstück hat die Konkordia Balsthal «El Camino Real» von Alfred Reed einstudiert. Die Komposition kann auch mit «Der Königsweg» oder «Highway des Königs» betitelt werden und bezieht sich auf die kalifornische Strecke vom südlichen San Diego bis zum nördlicheren San Francisco. Der Einbezug der Harfe verlieh diesem dreiteiligen Werk nach dem traditionellen Muster schnell-langsamschnell das besondere Extra, wobei die Ausführenden insbesondere in den beiden schnellen Sätzen im technischen Bereich extrem gefordert waren. Der grosse Applaus war der Lohn für eine in jeder Hinsicht reife Leistung.

Mit einem Feuerwerk eröffnet
Der zweite Konzertteil, nun moderiert von Michael Nünlist, wurde von der «Konkordia» Egerkingen, unter der Leitung von Maestro Carlo Balmelli, gleich mit einem wahren Feuerwerk eröffnet, nämlich der «Festive Overture» von Dmitri Shostakovich. Es folgte die Uraufführung von «Morgenrot», geschrieben vom in Kappel wohnhaften Komponisten und Dirigenten Arno Müller. Der Musiker meinte noch zuvor: «Ich habe mein Werk bisher noch nie in der eigentlichen Fassung gehört. Ich weiss aber, dass es bei der Konkordia Egerkingen in guten Händen ist.» Und was sagte er nach der in jeder Hinsicht gelungenen Erstaufführung? «Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Die Idee, die Technik der Variationen in die Tat umzusetzen, reifte in mir über Jahre, bietet doch diese Art von Musik ungeahnte Möglichkeiten.» In der Tat, wohl die wenigsten der begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer hätten es für möglich gehalten, welche Vielfalt diese Schweizerpsalm-Variationen für Piano und Blasorchester bieten würden. Zudem bewies Edith Oess als Pianistin ihre Verbundenheit zur Blasmusik auf eindrückliche Weise. Das Aufgabestück für die 1. Klasse Harmonie am Tessiner Kantonalmusikfest heisst «Tatarian Dances» von Elena Roussanova Lucas. In den vier Sätzen «Sabantui – Spring Dance», «Sarman River», «Harvest Dance» und «Wedding Dance» beschreibt die Komponistin die reichhaltige Kultur und das Leben der Tataren. Beim Vortrag in Egerkingen kamen die tänzerischen Elemente hervorragend zum Ausdruck, gleichermassen auch die Darstellung des Wasserlaufes der Wolga. Carlo Balmelli wird in seinem Heimatkanton mit den Egerkingern ein weiterer Beweis seiner Interpretations-und Motivationsfähigkeiten erbringen wollen und zweifelsohne auch bestätigen.

Souverän aufgespielt
Nochmals bekam das durchwegs gut gelaunte Publikum einen Leckerbissen vorgesetzt. Mit seinem Selbstwahlstück «Give Us this Day» von David Maslanke wird der deutschschweizer Gastverein am Tessiner Kantonalen den Mitkonkurrenten ein zumindest ebenbürtiger Konkurrent sein. Die Komposition beginnt ruhig, gar besinnlich mit Elementen aus dem buddhistischen Kulturkreis, wobei die Schwierigkeit in der intonationsmässigen Umsetzung liegt. Als klarer Gegensatz kommt im zweiten Teil der sehr hohe technische Schwierigkeitsgrad zum Ausdruck. Das Gäuer Blasorchester war auch dieser Anforderung auf der ganzen Linie gewachsen und erntete dafür spontaner Applaus. Für die erste Zugabe stellte sich das Klarinetten Register buchstäblich ins Rampenlicht. Mit «Pie In the Face Polka» war, trotz der ausserordentlichen Länge des gesamten Konzertes, der Hunger des Publikums noch immer nicht gestillt. Zwei Stephan Jäggi Marschkompositionen «Jungvolk marschiert » und der traditionelle «Solothurner Marsch» bildeten den endgültigen Schlusspunkt eines hochstehenden und eindrücklichen Blasmusikkonzertes.

Oltner Tagblatt vom 31. Mai 2014