Gast am Auffahrtskonzert der Konkordia war die Musikgesellschaft Schüpfheim LU
VON EDGAR STRAUMANN

Alle Facetten ausgedrückt
Kein Warm-up gab es bei der Programmeröffnung mit der MG Konkordia. Aus dem reichhaltigen Angebot des 1939 in New York geborenen Robert Jager wurde «Stars and Bars» ausgewählt. Ein toller Start, bei welchem gleich alle Facetten der musikalischen Vielfalt zum Ausdruck gebracht wurden, jedenfalls viel mehr als «nur» eine Marschdarbietung. Von Michael Nünlist, der durchs Programm führte, war zu vernehmen, dass für das Aufgabestück am Zürcher Kantonalen Musikfest in Winterthur in der 1. Stärkeklasse Harmonie «Tulsa» von Donald Gillis bestimmt wurde. Der Komponist selberbezeichnete sein 1950 entstandenes Werk als ein symphonisches Porträt in Öl. Die Umsetzung gelang der Konkordia hervorragend. Nachdem ein musikalischer Teppich gelegt wurde, kam Bewegung und Farbe im unverkennbaren amerikanischen Sound ins Spiel und endete schliesslich mit einer ausgelassenen Parade durch die Strassen der Stadt Tulsa. Jetzt schon, gut einen Monat vor der eigentlichen Bewährungsprobe, eine überzeugende Darbietung. Eine gleiche Bewertung darf auch dem Selbstwahlstück attestiert werden: «The Year of the Dragon» («Das Jahr des Drachen») von Philip Sparke wird als schwierig eingestuft. Gefordert werden nicht nur technische, sondern auch klangliche, harmonische Feinheiten. In den drei Sätzen Toccata, Interlude und Finale konnten die Ansprüche voll und ganz erfüllt werden. Erwähnenswert das auf dem Englisch Horn gespielte Solo im zweiten Satz, sehr einfühlsam und flexibel gespielt von Claudia Keller. Der Weg für ein erfolgreiches Abschneiden am Wettbewerb ist mehr als nur geebnet.
Angestrebtes Ziel erreicht
Aus der Fantasiewelt stammt Johan de Meijs Komposition «Hobbits». Die MG Konkordia Egerkingen nahm den zweiten Satz aus der Symphonie Nummer 1 «Der Herr der Ringe» in ihr Programm auf. Die wohltuenden Melodien luden geradezu zum Mitschreiten und zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles sämtlicher Interpreten, zusammen mit dem Publikum, ein. Wie der Applaus aus den Reihen der Besucherinnen und Besucher bestätigte, wurde das angestrebte Ziel in allen Belangen erreicht. Dass klassische Musik, gut arrangiert wie am Beispiel Franco Cesarini, auch im Blasmusikbereich absolut seine Berechtigung hat, bewies die Wiedergabe der «Ouvertüre aus Nabucco» von Giuseppe Verdi. Das orchestral dargebotene Werk, mit Leichtigkeit und echter Italienità gespielt, war ein musikalischer Leckerbissen und entsprechend mit starkem Applaus honoriert. Mit einer Überraschung für ihren Dirigenten Carlo Balmelli, der nun seit zehn Jahren mit grossem Erfolg das Egerkinger Blasorchester leitet, wurde die obligate Zugabe vorgetragen. Nicht das vom musikalischen Leiter vorgegebene Stück, sondern der «Geburtstagsmarsch» von Hans Möckel wurde angespielt. Grund für diesen gelungenen Überraschungscoup war der Geburtstag von Carlo Balmelli.
Alles andere als ein Ruhetag
Unter der Leitung von Roger Meier wurde der zweite Konzertteil durch die Musikgesellschaft Schüpfheim bestritten. Der musikalische Leiter, der seinerseits selber noch als Klarinettist in den Reihen der Konkordia sass, freute sich offensichtlich, an seine frühere Wirkungsstätte zurückzukehren. «The Witches Sabbath» von Giacomo Puccini sollte eigentlich einen ganz normalen Ruhetag auf musikalische Weise darstellen. Für die Musikantinnen und Musikanten des Gastvereines war ihr Eröffnungsstück jedoch alles andere als ein Ruhetag. Kein Wunder, wenn schon nach der Theorie des 14. Jahrhunderts Hexen mit dem Teufel im Walde tanzen. «William Tell Overture» von Gioacchino Rossini war als zweite Nummer auf dem Programm angekündigt. Die Frage sei erlaubt, warum ein Werk, das sich in der Urschweiz abspielt, vom deutschen Friedrich Schiller aufgezeichnet und vom Italiener Rossini in eine musikalische Fassung gebracht wurde, mit einem englischen Titel versehen werden muss? – Die von Carlo Balmelli im ersten Teil etwas klarinettenlastig arrangierte Ouvertüre gefiel aber allemal und fand beim weiterhin gut gelaunten Publikum vollen Zuspruch. In eine ganz andre Richtung ging der folgende Vortrag, unweigerlich auf Schweizerdeutsch angekündigt. Die von Thomas Rüedi arrangierte traditionelle Melodie «S’isch äbe-n-e Mönsch uf Ärde» wurde herzergreifend intoniert und entsprechend auch quittiert. – «Sacri Monti» heisst die Komposition von Mario Bürki, welche die Schüpfheimer am Luzerner Musikfest zur Aufführung bringen werden. Das Werk beschreibt die zehn Stationen der Wallfahrtskapelle Maria Heimsuchung von Visperterminen auf höchst interessante Weise. Die Hauptprobe für Hildisrieden ist dem Entlebucher Verein hervorragend gelungen. Für die Gastfreundschaft überreichte Moderator Maurus Emmenegger zum Schluss den Egerkingern, originell verpackt, ein «Entlebucher Kafi Set» und, damit alles richtig angerichtet werde, mit Anleitung. Das wiederum in allen Teilen gelungene Auffahrtskonzert hat sich auch diesmal lückenlos an vorangegangene gelungene Vorstellungen eingereiht.
Oltner Tagblatt vom 11. Mai 2013
