Beeindruckende Interpretationen

Erneuter musikalischer Hochgenuss am Jahreskonzert der «Konkordia»

VON EDGAR STRAUMANN

Das Jahreskonzert der Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen, traditionsgemäss zum Jahresbeginn dargeboten,war für das verwöhnte Publikum einmal mehr ein besonderes Erlebnis. Die Besucherinnen und Besucher wussten den hohen Schwierigkeitsgrad sämtlicher Darbietungen mit entsprechend starkem Applaus zu honorieren.

Das im Jahre 1986 mit der Verpflichtung von Albert Brunner als Dirigent begann, die Bereitschaft, mehr als mittelmässige Blasmusik zu bieten, hat am Jahreskonzert der Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen eine weitere Bestätigung und Fortsetzung erfahren. Heute, bald 25 Jahre später steht Carlo Balmelli am Dirigentenpult. Würde dem Maestro aus dem Tessin die Arbeit mit seinem Gäuer Verein nicht Spass machen, würde er wohl kaum wöchentlich den weiten Weg in Kauf nehmen, um mit seinem Blasorchester anspruchsvolle Musikliteratur einzustudieren. Andererseits muss hier ganz offensichtlich auch die Begeisterungsfähigkeit stimmen, ist dies doch eine wichtige Voraussetzung, um ein Konzert mit hohem Schwierigkeitsgrad so eindrucksvoll zu bewältigen.

Nicht nur Besucher aus dem Dorf
Guido Lüthi, nun auch schon seit Jahren umsichtiger Präsident, konnte einmal mehr viele Konzertbesucherinnen und Besucher begrüssen, nicht nur aus der Region, sondern aus weiten Landesteilen. Ein Beweis dafür, wie sehr das Wirken der «Konkordia» Egerkingen geschätzt und honoriert wird. Das Versprechen des Präsidenten, ein gutes und schönes Konzert bietenzu wollen, wurde in vollem Masse eingelöst. Zum Auftakt mit «Saturnalia» von Ben Haemhouts. Nicht mit einemMarsch der herkömmlichen Art, sondern mit einer Komposition, die äusserst gefällig und lebhaft dargeboten wurde und eine erste Kostprobe des Könnens sämtlicher Darbietenden lieferte, waren doch sämtliche Register ein ersten Mal gefordert.

Bestechend sichere Klarinettensolistin
Michael Nünlist führte in der Folge durchs Programm und wirkte bei seiner Premiere als Ansager bereits sehr selbstsicher. Diese Selbstsicherheit war beim «Clarinet Concerto» von Philip Sparke von der Solistin Manuela Scheidegger ebenfalls gefragt. Die in Zofingen wohnhafte Musikerin spielt als erste Klarinettistin seit sieben Jahren bei der «Konkordia» und ist nach abgeschlossenem Musikstudium als Klarinettenlehrerin an verschiedenen Musikschulen tätig. Das 2003 komponierte Klarinettenkonzert hält sich kaum an klassische Vorgaben. Dies geht schon aus den Untertiteln hervor. So steht beispielsweise für den ersten Satz «Cioccoso» als Zusatzbezeichnung «Rag Stil» oder für den dritten Satz «Molto vivo» «Bebop-Stil». Mit professionellem Können, bestechend sicher in allen Tonlagen, spielte die Solistin ihren Part, vom Orchester hervorragend begleitet, erfrischend virtuos. Auch die anspruchsvollen Kadenzen in Satz zwei wurden ohne Netz und doppelten Boden mit traumwandlerischer Sicherheit gemeistert. Martin Ellerby, 1957 in England geboren, komponiert für die verschiedensten Instrumentierungen wie beispielsweise Sinfonieorchester oder auch Sinfonische Blasorchester. Zu den bekannteren Werken gehört «Paris Sketches». Die vier Sätze sind je einem Stadtteil und zudem Musikern, die dort gelebt haben, gewidmet, so beispielsweise «Saint-Germain-des- Prés» (Maurice Ravel), «Pigalle» (Strawinsky/Prokofief) oder «Les Halles» (Hector Berlioz). So unterschiedlich und vielfältig wie eine Weltstadt sein kann, ist auch Ellerbys Musik, die von der«Konkordia» nicht nur mit Rasse, sondern auch mit Klasse dargeboten wurde. Man darf gespannt sein, wie diese Komposition erst noch klingen wird, wenn sie am Luzerner Kantonalen Musikfest im Juni in Willisau als Selbstwahlstück vorgetragen wird.

Wie einst auf Schloss Versailles
Mit einem weiteren Werk des zeitgenössischen Komponisten Ben Haemhouts wurde der zweite Konzertteil eröffnet. «Panache», lebhaft, beschwingt oder gar tänzerisch vorgetragen, war ein viel versprechender Auftakt, stand doch «The Man in the Iron Mask» auf dem Programm. Die Musik zu diesem Kinoerfolg stammt von Nick Glennie-Smith, wurde 1998 komponiert und ein Jahr später mit dem Ascap-Award ausgezeichnet. Teilweise pompös und höfisch, im Stile Ludwig IX., sind die Melodien und wurde herrlich interpretiert. Die einfühlsamen Flöten-, Piccolo- und Oboensoli vermochten die Konzertbesucher gar ins Königsschloss von Versailles zurückzuversetzen. Zum Abschluss folgte nochmals ein weiteres Highlight aus der Filmwelt.«StarWars» handelt vom ständig andauernden Kampf zwischen Gut und Böse. Dieser Kampf spielt sich «vor langer Zeit» in einer «weit entfernten Galaxie» ab und gilt deshalb als moderne Version eines Märchens. Die archetypischen Motive und mythologischen Elemente wurden vermischt und in ein Setting projiziert, das an klassische Sciencefiction erinnert. So viel zum Film. Die Musik dazu schreib John Williams, der damit einen Grosserfolg landete. Kein Wunder, dass er nicht zuletzt deshalb zu einem der gefragtesten und berühmtesten zeitgenössischen Komponisten der Welt wurde. Und diese Musik, live aufgeführt von der Musikgesellschaft Konkordia, mit Unterstützung einer Harfenspielerin, war geradezu gewaltig und beeindruckend zugleich. Da konnte man ruhig auf eine Grossleinwand verzichten, die Augen schliessen und nur die Musik auf sich einwirken lassen. Mit «Shephard’s Hey» von Percy Aldridge Grainger war Carlo Balmelli mit seinem Orchester auf das zu erwartende Verlangen nach einerZugabe vorbereitet, um schliesslich traditionell mit dem «Solothurner Marsch» von Stephan Jäggi ein beeindruckendes und hochstehendes Konzert zu beschliessen.

Oltner Tagblatt vom 12. Januar 2010