Klangvielfalt seltenen Ausmasses

Egerkingen «Konkordia» demonstrierte am Jahreskonzert ihr Können

Der Auftritt der «Konkordia» Egerkingen unter der Leitung von Carlo Balmelli beinhaltete nahezu alle Facetten, die ein Blasorchester zu bieten hat. Das Publikum würdigte die beeindruckende Leistung der «Konkordia» mit kräftigem Applaus.

VON STEFAN MÜLLER

Bereits mit den ersten Takten des Auftaktstücks «Ouverture 2000» zeigte die «Konkordia» ihre technischen Stärken. Im Stück von Henk van Ljinschooten wechselten sich witzige, temporeiche Passagen mit gefühlvoll vorgetragenen, sanften Stellen ab, um schliesslich in einem melodischen Tutti zu enden. Dank dem hervorragenden, ausgeglichenen Klangkörper wurde der Zuhörer bereits hier ein erstes Mal emotional berührt.

Musikalisches Feuerwerk

Als Shakespeare in seinem Roman das Land Illyrien beschrieb, sei er mehr vom seltsamen Namen des Gebietes als von dessen wirklichen Gegebenheiten inspiriert worden, erklärte Ansager Iwan Sury im Anschluss. Genau so fantasievoll wie Shakespeares literarische ist Guy Woolfendens musikalische Beschreibung dieses Landes, die «Illyrian Dances». Der erste Satz, das Rondeau, mutete nach höfischen Festlichkeiten an, die einen überraschenden Abschluss fanden. Die Herausforderung des zweiten, äusserst musikalisch vorgetragenen Satzes bestand nicht in der Rhythmik, sondern in erster Linie in der Intonation, die mit leichten Abstrichen gemeistert wurde. Die «Gigue», der dritte Satz, ist ein beschwingter Tanz, der mit versöhnlichen Klangfarben in einem von der «Konkordia» spielerisch interpretierten Schluss mündete.

Mit «Trittico» von Vaclav Nelybel versprach Iwan Sury ein musikalisches Feuerwerk, welches dann auch mit einem wahren Knaller begann. Der wuchtige Beginn wurde abgelöst von einer Fantasie aus dunklen Farben, die sich schliesslich zu einem nahezu apokalyptischen Schluss des ersten Satzes zusammenfanden. Der zweite Satz war gespickt mit solistischen Einlagen, bei welchen insbesondere das Saxophonregister zu überzeugen vermochte. Der dritte Satz (Allegro marcato) begann mit vertrauteren Akkorden. Scheinbar simple Melodien wurden vom Komponisten mit anspruchsvollen Verzierungen versehen. Das alles führte zu einem Stück, welches zu begreifen wohl mehr als nur eine Aufführung braucht.

Alain Hürzeler glänzte als Solist
Nach der Pause setzte die «Konkordia» den harmonischen Kontrapunkt zu «Trittico». Wenn schon «The Perfect Storm» von Ralph Ford nicht das Stück mit dem grössten Probeaufwand war, war es jenes, das die seit Jahren seriöse Probearbeit am besten offenbarte. Dies in einem orchestralen Klang, wie er in der näheren und weiteren Umgebung wirklich nur durch die «Konkordia» erzeugt werden kann. «Prism» von Steve Shafer war vor allem durch die zahlreichen ungeraden Taktarten für den Zuhörer ein ungemein spannendes Stück. Im getragenen, träumerischen Mittelteil glänzte Alain Hürzeler mit einem Blockflötensolo, welches an das Korps wiederum hohe Ansprüche bezüglich Intonation und Klangausgleich stellte.

Grandioses Finale
Die Blockflöte kam auch im abschliessenden «Cry of the Celts» zum Einsatz. Ronan Hardiman, der das irische Steptanz-Bühnenspektakel «Lord of the Dance» in einem fünfsätzigen Werk für Blasorchester arrangierte, und der Solist wusste die Blockflöte perfekt in Szene zu setzen. Perfekt in Szene setzte auch Hans Marbet sein Waldhorn im getragenen, weichen Solo im Satz «Suil a Ruin». Das Konzert endete im fünften Satz, der Siegeshymne Victory, mit viel Geschwindigkeit im grandiosen Finale.

Als Zugabe spielte die «Konkordia» nicht einfach einen Marsch, sondern nahm eben genau jene mit «Phantasmagoria» noch einmal tüchtig auf die Schippe. Die Aneinanderreihung masslos übertriebener Marschmusikelemente führte zu einem witzigen Nümmerchen, das nach einer weiteren Zugabe verlangte. Dieser kam die «Konkordia» mit «Fandango» nach. Mit dieser Symbiose von südamerikanischer Leichtigkeit und nordisch-kühlem Witz und nach dem obligaten «Solothurner Marsch» verliess das begeisterte Publikum die Turnhalle Mühlematt nach einem Panoptikum an Klängen, welches einem nur äusserst selten geboten wird.