| Auffahrtskonzert 2009 |
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© Oltner Tagblatt 23.05.2009
Eine Hochburg für exzellente Blasmusik
Zwei Spitzenorchester überzeugten am Auffahrtskonzert in Egerkingen das Publikum
Am Auffahrtskonzert in Egerkingen traten die einheimische Musikgesellschaft Konkordia und die Civica Filarmonica di Mendrisio auf. Für beide Vereine war es eine Standortbestimmung für bevorstehende kantonale Musikfeste. Beiden Orchester steht Carlo Balmelli als musikalischer Leiter vor.
EDGAR STRAUMANN
Die Auffahrtskonzerte der «Konkordia» Egerkingen haben eine langjährige Tradition. Dazu wird jeweils ein in der Region weniger bekannter Gastverein eingeladen. Dass es diesmal die Civica Filarmonica di Mendrisio war, darf wohl als logisch bezeichnet werden, stehen doch beide Vereine mit Carlo Balmelli unter der gleichen musikalischen Leitung. Und beide Vereine werden demnächst an kantonalen Musikfesten teilnehmen. Für die Tessiner war der Auftritt in Egerkingen sogar die Hauptprobe, werden sie doch bereits heute in einer Woche, also am Samstag, 30. Mai, in der Höchstklasse startend, in Lugano vor eine gestrenge Jury treten. Die «Konkordia» Egerkingen hat noch etwas mehr Zeit. Sie wird am Sonntag, 28. Juni, am Solothurnisch-Kantonalen in Wolfwil in der 1. Stärkeklasse starten.
Voll besetzter Mühlemattsaal Wenn Blasmusik auf höchsten Niveau geboten wird, dann kommen die Interessierten in hellen Scharen. Trotz sommerlichen Temperaturen und dem eher ungewohnten Zeitpunkt von 17 Uhr war die Mühlematthalle praktisch voll besetzt. Dies freute natürlich besonders auch Vereinspräsident Guido Lüthi bei seiner Begrüssung, konnte er doch Delegationen aus allen Landesteilen willkommen heissen. In der Folge übernahm Silvan Hof die Ansage und trug mit seinem Fachwissen viel zum guten Verständnis der teils doch schwierigen Musikliteratur bei. Der erste Konzertteil bestritt die «Konkordia». Wie der Titel der Eröffnungsnummer «Dynamica » erahnen liess, bereits mit einem musikalischen Feuerwerk. Die Komposition von Jan Van der Roost wurde in allen Belangen tatsächlich dynamisch vorgetragen. Ein erster Vorgeschmack und auch ein Leistungsausweis des unbestrittenen Könnens der «Konkordianer». «Passage» heisst das Aufgabestück der 1. Klasse Harmonie am Solothurnischen Kantonalmusikfest. Der demnächst 80 Jahre alt werdende Komponist Frédéric Devreese stellt das Grundthema in fünf Variationen dar. Unübliche instrumentale Höhenlagen und Tempi bis zu 200 stellen die Interpreten vor sehr schwierige Aufgaben. Auch ruhigere Passagen machen dieses Werk mit der abwechslungsreichen und interessanten Instrumentierung, verbunden mit überraschenden Effekten, zu einem echten Hörgenuss. Bis in einem Monat wird «Passage» zweifelsohne auch die Experten in Wolfwil überzeugen.
Selbstwahlstück als Highlight Bevor das Selbstwahlstück «Gallimaufry» von Guy Woolfenden zur Aufführung gelangte, wurde noch eine etwas «ruhigere» Nummer eingelegt. Vom Moderator wurde «Sanctuary» von Frank Ticheli als musikalischer Eintopf bezeichnet. Machtkämpfe in England zwischen Kirche und Staat wurden auf höchst anschauliche Weise dargestellt. Ein weiteres Highlight folgte mit der Aufführung des Selbstwahlstückes. Die äusserst reine Klangfarbe überzeugte vom eher ruhigen Beginn bis hin zum grandiosen Höhepunkt in dieser ebenfalls anspruchsvollen Komposition. Als Zugabe wurde zu Ehren der Gäste der Marsch «Mendrisio» mit echt südländischem Temperament vorgetragen. Aus dem südlichsten Tessin war die Civica Filarmonica di Mendrisio angereist und begrüsste das Gäuer Publikum mit einem Ohrwurm, dem March «Alte Kameraden» von Carl Teike. Dann kamen zwei Schweizer Komponisten zu Ehren. Zuerst Paul Huber, der liturgische, geistliche und weltliche Werke schuf, aber auch mit Orgel-, Orchester- und Blasmusik das vergangene Jahrhundert prägte. «Evocazioni» wurde am Eidgenössischen Musikfest 1986 in Winterthur uraufgeführt und nun als Aufgabestück in der Höchstklasse Harmonie für das Tessiner Kantonalmusikfest bestimmt. Der kirchenmusikalische Einfluss des Komponisten ist unverkennbar. Zum Ausdruck brachte die «Civica» aber auch das gewaltige Klangvolumen, wie es eben nur von einem grossen Blasorchester erzeugt werden kann. Eine eindrückliche, unter die Haut gehende Vorführung.
Auch der Gastverein glänzte Jean Balissat, er lebte von 1936 bis 2007, beherrschte eine schon eher zeitgenössische Klangfarbe. Daraus wählten die Tessiner für ihr Selbstwahlstück die «Sinfonie für Blasorchester» aus. In den vier Sätzen führte Carlo Balmelli auch sein Heimorchester, wenn auch schweisstreibend, sicher durch alle Klippen. Wenngleich dieses Werk für den «Normalkonsumenten» alles andere als leicht verständlich ist, erbrachte der Gastverein eine bravouröse Leistung. Konzerte in Egerkingen werden mit dem «Solothurner Marsch» beendet, diesmal gespielt von der Civica Filarmonica di Mendrisio, die dem starken Applaus nachgebend, auch noch den «Marcia di Mendrisio» anfügte.
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