Auffahrtskonzert 2007
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 Auffahrtskonzert 2007 - Zeitungsbericht

Regionale und nationale Spitze

Egerkingen «Konkordia» und «La Landwehr de Fribourg» begeisterten

Das traditionelle Auffahrtskonzert der Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen vermochte die Turnhalle Mühlematt bis auf den letzten Platz zu füllen. Gastverein war das Corps de musique de la Landwehr Fribourg. Beide Formationen begeisterten das zahlreiche Publikum auf der ganzen Linie.

EDGAR STRAUMANN

Würde die Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen nicht über einen guten Ruf weit über die Kantonsgrenzen hinaus verfügen, wäre es wohl kaum möglich, zum alljährlichen gemeinsamen Auffahrtskonzert immer wieder Spitzenorchester als Gastvereine zu verpflichten. Diesmal war «La Landwehr», mit genauer Bezeichnung «Offizielles Musikkorps des Kantons und der Stadt Freiburg» mit von der Partie. Sichtlich stolz war «Konkordia»-Präsident Guido Lüthi bei seiner Begrüssung, als er nebst einer ausserordentlich grossen Anzahl Delegationen jenen Gastverein willkommen heissen durfte, der schon in vier Kontinenten aufgespielt hat.

Ausschliesslich Unterhaltung

Ausschliesslich mit Unterhaltungsmusik erlebte man für einmal den Gastgeber im ersten Konzertteil. Unter Leitung von Carlo Balmelli spielten die Egerkinger zur Eröffnung aus dem Musicalfilm «There’s no business like Show business» von Irving Berlin. Marilyn Monroe verhalf dem Film 1954 zu Weltruhm, die «Konkordia» ihrerseits mit der Wiedergabe für Blasorchester für erste Beifallskundgebungen. Von Duke Ellington, dem King of Swing, stammen nicht weniger als 2000 Stücke. Eines der bekannteren ist «It don’t mean a thing» das als zweite Programmnummer Aufnahme fand. Von einer Bigband mal vier und erst noch mit viel Einfühlung vorgetragen, ist das Erlebnis als Zuhörer doppelt, oder eben vierfach grösser.

Gesangsolisten in der Unterhaltungsbranche finden musikalische Begleitung eher mit kleineren Formationen. Man durfte echt gespannt sein, wie sich Scintilla Mora mit einem grossen Blasorchester zurecht finden würde. Das Experiment, wenn es als solches bezeichnet werden darf, war ein voller Erfolg. Der in Locarno geborene Sänger, mit bürgerlichem Namen Marco Santilli, kennt sich von seinem Werdegang her in der Blasmusikszene bestens aus, studierte er doch vorerst an den Konservatorien Zürich und Lausanne Klarinette und unterrichtete auf seinem Instrument auch an der Jazzschule Bern. Sein ebenso gesangliches Talent kam in Egerkingen voll zur Geltung. Musikalisch geradezu professionell begleitet, gab er unter anderen Titel wie «I feel a song comin’ on», «As time goes by» oder von Georges und Ira Gershwin «They can’t take that away from me» und als stürmisch verlangte Zugabe «Rock me baby» von B. B. King zum Besten.

Eindrückliches Erlebnis

Die «Landwehr», 1804 gegründet, fand mit ihren 80 Musikerinnen und Musikern kaum genügend Platz auf der Bühne. Doch nicht die Grösse, sondern die Klasse überzeugte im zweiten Konzertteil. Der musikalische Leiter Adrian Schneider machte auf sympathische Weise gleich selber die Ansage. «Weil ich als gebürtiger Berner in der Deutschschweiz wohl am besten verstanden werde», meinte er einleitend.

Für grosses Militärorchester und nach griechischem Mythos dem Gott des Weines gewidmet, komponierte 1925 Florent Schmitt «Dionysiaque». Verständlich, dass diese Komposition heute eher selten aufgeführt wird, beinhaltet sie doch höchste Schwierigkeitsgrade. Die «Landwehr» wurde allen Anforderungen gerecht und bot eine Aufführung, die buchstäblich unter die Haut ging. In den Genuss einer Uraufführung kam das Egerkinger Publikum beim Vortrag danach. Für die diesjährige 850-Jahr-Feier der Stadt Fribourg schuf der aktive Es-Klarinettist der «Landwehr», Jean-Daniel Lugrin, eine Symphonie für grosses Blasorchester. Daraus kam erstmals öffentlich zur Aufführung der dritte Satz mit dem Titel «Dans le Métro (Création)».

Höchste Vollendung

Der Komponist von «Two Part Invention», Philipp Sparke, ist als zeitgenössischer Komponist ein Begriff. Das in den 80er-Jahren entstandene Werk bewältigten die beiden Euphonuim-Solisten Alexandre Gagnaux und Fan Qing im Stile musikalischer Akrobatik in höchster Vollendung. Dasselbe kann auch von Frederic Zosso gesagt werden. In «Granada» entlockte er seinem Es-Alt-Saxophon bisher kaum gehörte Töne und beinahe für unmöglich zu haltende Kadenzen. Man hatte den Eindruck, das Instrument sei ein Teil des Solisten selbst. Kein Wunder, dass das begeisterte Publikum eine Zugabe verlangte.

Abschliessend kamen die Besucher bei Hector Berlioz «Marche Hongroise» nochmals zu einem musikalischen Hochgenuss. Ohne zu übertreiben darf gesagt werden, dass sämtliche Besucherinnen und Besucher von allen Darbietungen tief beeindruckt waren, erlebten sie doch ein Auffahrtskonzert, das auch höchsten Ansprüchen vollumfänglich gerecht wurde.

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