| Auffahrtskonzert 2006 |
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© Oltner Tagblatt 27.05.2006 Blasmusik in höchster Vollendung
EDGAR STRAUMANN «Luzern – wir kommen» können beide Formationen auf ihre Fahnen schreiben. Zwar hat das Auffahrtskonzert der Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen keinen direkten Zusammenhang mit dem grössten musikalischen Anlass der Schweiz im nächsten Monat. Das Auffahrtskonzert in Egerkingen hat ganz einfach Tradition. Trotzdem stand der diesjährige Anlass in der bis auf den letzten Platz belegten Mühlematthalle ganz im Zeichen des Eidgenössischen Musikfests. Am Samstagmorgen, 17. Juni, startet die «Konkordia» in der ersten Stärkeklasse mit ihrem Selbstwahlstück zum musikalischen Wettkampf. Gleichentags stellt sich auch das Sinfonischen Blasorchester Bern in der Höchstklasse der Fachjury. Beide Formationen treten im Kultur- und Kongresszentrum (KKL) an. Nach der Begrüssung durch Vereinspräsident Guido Lüthi eröffnete die «Konkordia» den ersten Konzertteil mit «Sleepers», eine der wohl schönsten Bachkomposition, wie Iwan Sury, der durchs Programm führte, betonte. Es folgte bereits ein erster Formtest mit der Aufführung des Aufgabestücks der 1. Klasse Harmonie am EMF 2006. Zugeteilt in dieser Kategorie wurde Franco Cesarinis «Bulgarian Dances», eine vier Sätze umfassende Komposition bulgarische Volkslieder beinhaltend. «Bulgarian Dances» bieten praktisch alles, was das musikalische Herz erfreut und dementsprechend erfolgte auch der Vortrag dieses Prüfsteins des wahren Könnens auf allen Registern. Nebst dem Aufgabestück haben die Teilnehmer am Eidgenössischen auch ein der Stärkeklasse entsprechendes Selbstwahlstück vorzutragen. Die Egerkinger haben sich für «Gloriosa» von Yasuhide Ito entschieden. Dieses ethische Werk beschreibt die Christenverfolgung in Japan im 17. Jahrhundert. In den drei Sätzen «Oratorio», «Cantus» und «Dies Festus» sind einerseits die Wehklagen und Schreie der Verfolgten zu vernehmen, andererseits aber auch gregorianische Chöre sowie asiatisch anmutende Volksmelodien. Dem Dirigenten Carlo Balmelli – er wird in Luzern noch zwei Vereine in der Höchstklasse dirigieren – gelang mit seinem Orchester ein höchst beeindruckender und ausgereifter Vortrag, der auch bei den Experten Anerkennung finden dürfte. Ein Klangerlebnis ganz anderer Art erfolgte mit «Chaos Theorie 1.0 bis 3.0». Diese Komposition beinhaltet progressiver Hardrock bis hin zu klassischen Elementen. Der Gastsolist Willi Riechsteiner überzeugte mit seiner Filigrantechnik auf der E-Gitarre nicht nur die jüngeren Semester, sondern auch die ältere Generation. Bestechende sinfonische Darbietung «Nur» zwei Stücke hatte der Gastverein, das Sinfonische Blasorchester Bern, auf dem Programm. Dieses Spitzenorchester wird in Luzern am Eidgenössischen nicht nur teilnehmen, sondern in der Höchstklasse wohl ein ernsthaftes Wort mitreden, oder besser gesagt mitspielen, was die Rangierung anbetrifft. Präsident Daniel Fürst, ein Solothurner, wie auch viele Musikantinnen und Musikanten dieser Formation, dankte für die Einladung nach Egerkingen, bevor Christine Lauper das Aufgabestück «Ground» des 1949 in Freiburg geborenen Komponisten Carl Rütti ansagte. Um dieses Werk überhaupt angehen zu können, ist eine bis aufs letzte Detail ausgereifte Besetzung notwendig, was beim Berner Orchester mit beispielsweise Kontrabass, Klarinetten und Harfe der Fall ist. Unter der Leitung von Rolf Schumacher wurde das vorerst düster, fast eintönig anmutende Werk angegangen. Dieser Eindruck änderte sich bald mit einer Steigerung vorab durch anspruchsvollste Passagen bis hin zu leichter Fröhlichkeit. Eine bestechende Darbietung, die beim Publikum auf der ganzen Linie Lob und Anerkennung auslöste. Der Grund, weshalb «nur» Aufgabe- und Selbstwahlstück auf dem Programm standen, war bald einmal erklärbar. Der Vortrag der «Symphony Nr. 1» des russischen Komponisten Vasily Sergeyevich Kalinnikov dauert volle 40 Minuten. Schon diese Tatsache erfordert bei sämtlichen Interpreten höchste Konzentration und Kondition. Aber auch das technische Können dieser im klassischen Stil 1894 entstandenen Komposition ist ausserordentlich gefragt. Die vier Sätze «Allegro moderato», «Andante», «Scherzo» und «Finale» wurden ohne erkennbare Schwierigkeiten höchst professionell dargeboten. Der frenetische Applaus war ein Zeichen der überaus lobenden Anerkennung einer Leistung auf höchster Stufe. Der Solothurner Erst- und der Berner Höchstklassverein können mit der Gewissheit, äusserst gut und seriös vorbereitet zu sein, nach Luzern fahren.
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