© Oltner Tagblatt
16.01.2012

Eine vielversprechende Visitenkarte der «Fledermaus»
Die Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen machte an ihrem
Jahreskonzert
beste Werbung für ihr bevorstehendes Projekt «Die Fledermaus».
VON EDGAR STRAUMANN
Die Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen reitet weiterhin auf einer
Erfolgswelle. Doch das kommt nicht von ungefähr, stellt sich doch der Gäuer
Erstklassverein regelmässig besonderen Herausforderungen. Letztes Jahr war
es das Eidgenössische Musikfest in St. Gallen, wo die Konkordia in ihrer
Klasse den ersten Rang erreichte, wie Präsident Guido Lüthi bei seiner
Begrüssung mit berechtigtem Stolz nochmals erwähnte.
Projekt «Fledermaus»
In Zwischenjahren wird normalerweise ein kantonales Musikfest besucht.
Da in diesem Jahr kein geeignetes Angebot vorliegt, wagt man
sich an ein einmaliges und zugleich aussergewöhnliches Projekt. Im kommenden
Mai wird das Blasorchester, zusammen mit einem Chor und Gesangssolisten,
eine der populärsten Operetten «Die Fledermaus» von Johann Strauss Sohn zur
Aufführung bringen. Wie am Jahreskonzert in der Mühlematt-Halle eindrücklich
bewiesen wurde, ist man dazu durchaus bereit und – ohne Vorschusslorbeeren
verteilen zu wollen – zweifelsohne auch musikalisch auf dem notwendigen
Level.
«Spätestens seit dem letztjährigen Musikfest in St. Gallen sind wir Fans von
James Barnes, dem Komponisten von ‹Centennial Celebration Overture› »,
sagte Michael Nünlist bei seiner Ansage der ersten Programmnummer. Und
tatsächlich, diese mit überraschenden Elementen gespickte Komposition wurde nicht nur
mit viel Leidenschaft gespielt, sondern geradezu zelebriert. Einmal mehr
gelang
es dem musikalischen Leiter Carlo Balmelli, sein Orchester auf hohem Niveau
auf das Konzert einzustimmen.
Auf höchstem Niveau
Ein Werk mit höchstem spieltechnischem Anspruch für die Solisten ist Franz
Cibulkas «Konzert für Saxofonquartett und Blasorchester». Vier
Saxofonstudentinnen
und -studenten der Hochschule Luzern, die sich im Jahre 2010 unter dem Namen
«colkléa-quatuor de saxofones» zusammenfanden, übernahmen den Solopart.
Michele Leisibach (Sopransax), Alexandra Müller (Es-Alt-Sax), Vera Wahl (Tenorsax)
und Valentin Oberson (Baritonsax), fielen nicht nur mit ihrem vierfarbigen
Schuhwerk auf, sondern wurden auch den Erwartungen im musikalischen Bereich
mehr als nur gerecht. Was die jungen Musiker, ausgezeichnet unterstützt
vom Orchester, dem aufmerksamen Publikum boten, war Extraklasse. Der Vortrag
wurde mit entsprechendem Applaus verdankt,
was die Künstler mit der Zugabe «Ulla in Africa» zu erwidern wussten.
Eindrückliches Tongemälde
Zum Abschluss des ersten Konzertteils wurde «Berglicht» des 1971 geborenen
Schweizer Komponisten Oliver Waespi zur Aufführung gebracht.
Dieses eindrückliche musikalische Tongemälde, mit teils lieblicher
Melodienfolge und plötzlich auftretenden überraschenden Elementen,
so wie sie in den Bergen nun einmal auftreten, war auf der ganzen Linie, bis
hin zum grandiosen Finale, einErlebnis mit nachhaltiger Wirkung.
«Schwanensee»
Das wohl bekannteste Ballett ist Peter Illich Tchaikovskys «Schwanensee »,
das 1877 in Moskau uraufgeführt wurde. Eher unbekannt war bisher die Version
für Blasorchester. Der musikalischen Leitung der «Konkordia» ist es
gelungen, ein wie auf ihre Verhältnisse zugeschnittenes Arrangement, mit
nicht weniger als sieben
Sätzen, ausfindig zu machen. Die sieben Sätze Scène, Valse, Danse des Cygnes,
Dance hongroise (Czardas), Danse Espagnole, Danse napolitaine und Mazurka,
vom Egerkinger Spitzenorchester hervorragend umgesetzt, versetzten das
aufmerksame Publikum virtuell von der Mühlematt-Halle ins Moskauer Bolschoi-Theater. Auch ohne Spitzentänzerinnen eine Spitzenleistung par excellence
und ein Vorgeschmack auf «Die Fledermaus».
Stehende Ovationen
Dieser Vorgeschmack wurde letztlich mit der Ouvertüre «Die Fledermaus » von
Johann Strauss Sohn endgültig geweckt. Obschon für das Projekt,
welches im Mai bevorsteht, noch vier Monate Vorbereitungszeit zur Verfügung
stehen, darf jetzt schon festgestellt werden, dass am guten Gelingen
überhaupt nicht zu zweifeln ist. Die Begeisterung der Musikantinnen und
Musikanten, mit ihrem Dirigenten Carlo Balmelli, war förmlich zu spüren.
Selbst die schwierigsten Passagen, vor allem auf den Holzinstrumenten,
schienen überhaupt keine Probleme zu bieten. Das begeisterungsfähige
Publikum schien dies ebenfalls so zu interpretieren und
liess sich zu spontanen Befallskundgebungen bewegen, sogar mit Standing
Ovations. Das gesamte Konzert war ein weiteres Highlight im schon seit
Jahren anhaltenden unbestrittenen erfolgreichen Wirken der Musikgesellschaft
Konkordia Egerkingen. Auch die beiden Zugaben, der Galop «Prestissimo» von
K. L. King und der traditionelle «Solothurner Marsch» von Stephan Jäggi
waren nochmals eine eindrückliche Bestätigung.