© Oltner Tagblatt
04.06.2011

Erstklassig in allen Bereichen aufgespielt
Egerkingen Brass Band
Imperial Lenzburg spielte am Auffahrtskonzert der «Konkordia» als Gastverein
auf
VON EDGAR
STRAUMANN
In zwei Wochen stellt sich
die Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen einmal mehr mit der Teilnahme am
33. Eidgenössischen Musikfest in St. Gallen einer grossen Herausforderung.
Zusammen mit 35 weiteren Vereinen startet das Gäuer Blasorchester in der 1.
Klasse Harmonie und vertritt damit den Kanton Solothurn in der zweithöchsten
Stärkeklasse. Als eigentliche Hauptprobe wurden am Auffahrtstag im
Mühlemattsaal die Wettbewerbsstücke einem grossen Publikum vorgestellt. Eine
Woche später reist auch die BB Imperial Lenzburg mit der A-Band nach St.
Gallen und wird dort ebenfalls in der 1. Klasse konkurrieren, dann aber den
Wettbewerb mit den Brass Band Vereinen bestreiten. Auch die Aargauer nahmen
gerne die Gelegenheit wahr, ihren Formstand unter Beweis zu stellen.
Nach der Begrüssung durch «Konkordia »-Präsident Guido Lüthi gings gleich
zur Sache. Für die Egerkinger war es wohl ein besonderes Erlebnis, eine
Komposition des aus Hägendorf stammenden Musikers Thomas Trachsel aufführen
zu dürfen. Das Aufgabestück für die 1. Klasse Harmonie in St. Gallen heisst
«A Heroic Symphony» und wurde speziell für den bevorstehenden grossen Anlass
vom Eidgenössischen Musikverband in Auftrag gegeben. Es spricht für die
Leistungsfähigkeit der «Konkordia », in kurzer Zeit eine sehr anspruchsvolle
Komposition wettbewerbsreif erarbeitet zu haben.
«Eine
Spontankomposition»
Dieser Ansicht war auch der anwesende Komponist, liess er es sich doch nicht
nehmen, nach der gelungenen Aufführung persönlich zu gratulieren. Thomas
Trachsel, der schon weit über 100 Kompositionen geschaffen hat, bezeichnete
seine aus vier Sätzen bestehende «A Heroic Symphony» als eine
Spontankomposition ohne besonderen Hintergrund und nach seinen Worten als
selbsterklärende absolute Musik. Auf die Frage nach seiner Beurteilung des
Vortrages sagte er: «Es wurde genau nach meinen Vorstellungen gespielt.
Damit ist der Verein auf einem sehr guten Weg und müsste damit in St. Gallen
ganz vorne dabei sein». Michael Nünlist, der durchs Programm führte, gab zum
vorgetragenen Selbstwahlstück «Fourth Symphony» von James Barnes
interessante Hinweise ab. Es war unverkennbar, dass bei diesem Werk die
Automatismen innerhalb
den Registern wie auch im Gesamten zur Perfektion erarbeitet wurden. War
schon die Aufführung am Jahreskonzert im Januar gelungen, durfte diesmal von
einem musikalischen Hörerlebnis der besonderen Art gesprochen werden. Mit
dem «Marsch der Grenadiere » von Hans Honegger beschloss die «Konkordia»
unter der souveränen Leitung von Carlo Balmelli den ersten Konzertteil und
gewährte mit «Gruss an Bern» auch noch eine Zugabe.
Auch der Gastverein ist in Topform
Nach der Pause durfte man gespannt auf den Auftritt der Brass Band Imperial
Lenzburg sein. Die A-Band dieses 1974 nach englischem Vorbild gegründeten
Vereins wird von Christian Siegmann geleitet. Auch die Aargauer können auf
viele erfolgreiche Auftritte zurückblicken und dürfen nach dem in Egerkingen
bewiesenen Formstand auch in St. Gallen auf ein vielversprechendes
Abschneiden hoffen. Eine erste Kostprobe wurde mit dem Marsch «Marignan» von
Jean Daetwyler geboten bevor das Aufgabestück 1. Klasse BB präsentiert
wurde. Auch für diese Komposition wurde ein zeitgenössischer Komponist
beauftragt.
Der 1957 geborene Freiburger Jean-Francois Michel liess sich vom Orkan
Lothar, der am 26. Dezember 1999 über das Land hinwegfegte, inspirieren.
Kein Wunder, dass diese Musik vom leise aufkommenden Wind bis hin zum
imposanten Sturm in Höchststärke geprägt wird. Die BB Imperial hat es
hervorragend verstanden, das unvergessliche Naturereignis nochmals aufleben
zu lassen, im Gegensatz zu damals aber keine Schäden zu hinterlassen,
sondern einen nachhaltigen Eindruck. Als Selbstwahlstück haben die
Lenzburger «Of Men and Mountains» von Edward Gregson gewählt. Der englische
Musiker (geb. 1945) gibt in dieser Komposition ein Reiseerlebnis von Toronto
bis nach Vancouver wider. So unendlich wie die kanadische Landschaft ist
auch das Werk ausgefallen. Abwechslungsreich und mit vielen Feinheiten
durchsetzt, die vom Ensemble bestens zum Ausdruck gebracht wurden und von
den Musikanten hervorragend umgesetzt. Nach Konzertschluss war von einigen
Besuchern zu vernehmen, dass diese Musik sicherlich den Experten in St.
Gallen gefallen würde, nicht aber unbedingt für Normalkonsumenten sei. Wie
dem auch sei, auch der Gastverein hat hervorragend musiziert und darf wie
der Gastgeber auf seine Fahne schreiben: «St. Gallen - wir kommen»!