«Selten Aufgeführtes und Bekanntes sind an unseren Jahreskonzerten im Januar
zu hören.» Dieser Hinweis war in der ersten Ausgabe 2011 des vereinseigenen
Info-Blattes der Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen zu lesen. In der
Tat hatten es die Verantwortlichen verstanden, ein Konzertprogramm zu
gestalten, welches das Interesse der Liebhaber hochstehender Blasmusik zu
wecken vermochte. Die Erwartungen der Besucherinnen und Besucher wurden denn
auch in allen Belangen voll und ganz erfüllt. Vereinspräsident Guido Lüthi
hatte bei seiner Begrüssung in keiner Weise übertrieben, als er einen
genussreichen und unvergesslichen Konzertabend versprach.
Unter der Leitung von Maestro Carlo Balmelli eröffnete das Gäuer
Blasorchester das Konzert mit «Helios», einem Konzertmarsch von Jan van der
Roost. Dank der idealen Besetzung und Instrumentierung ist es der «Konkordia
» möglich, einen ausdrucksstarken Klangkörper zu erreichen. Dies allein
genügt natürlich noch lange nicht, eine überzeugende Leistung zu erbringen,
braucht es doch auch noch Bläserinnen, Bläser und Perkussionisten, die
willens sind, mit einem grossen Aufwand die gute Ausgangslage entsprechend
umzusetzen. Ein erster Beweis dafür wurde mit «Helios» auf eindrückliche Art
erbracht. Ein weiterer Beweis oder gar Höhepunkt folgte gleich
anschliessend. «Fourth Symphony» mit dem Untertitel «Yellowstone Portraits»
wurde vom Amerikaner James Barnes 1999 komponiert. In den drei Sätzen «Dawn
on the Yellowstone River», «Pronghorn Scherzo» und «Inspiration Point»
werden die Schönheiten des wohl bekanntesten Naturparks Amerikas aufs
Eindrücklichste musikalisch dargestellt. Unter Einbezug der Harfe wurde die
Stille der frühen Morgenstunden, das Fliessen des Yellowstone Rivers und
die aufgehende Sonne bildhaft dargestellt. Als Gegensatz dazu der zweite,
sehr lebhafte Satz, eine aufgeschreckte Antilopenherde beschreibend, um
abschliessend wieder zum Wasser zurückkehrend, zum Tower Falls, dem
imposanten Wasserfall des Yellowstone-Parks. Die Umsetzung dieser
eindrücklichen Komposition stellt eine echte Herausforderung dar. Die
Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen hat sie angenommen und hervorragend
umgesetzt. Wenn diese Komposition, als Selbstwahlstück für das
Eidgenössische Musikfest in St. Gallen bestimmt, von den Juroren in der
ersten Stärkeklasse gleich gut bewertet wird wie das Egerkinger Publikum
schon jetzt signalisierte, dürfte ein weiterer Glanzpunkt gesetzt werden
können.
«Danzon No. 2» sei so etwas wie die inoffizielle Nationalhymne Mexikos,
verriet Moderator Michael Nünlist nach der Pause. Das dürfte zumindest für
den Schlussteil dieses Werkes von Arturo Marquez zutreffen, entspricht doch
diese Musik durchaus dem Temperament dieser Landsleute. Temperamentvoll und
zudem perfekt in jeder Beziehung war auch die Wiedergabe. Leonard Bernstein
(1918–1990) braucht als Dirigent und Komponist kaum mehr vorgestellt zu
werden. Zu einer seiner herausragenden Kompositionen gehört die Musik zum
Musical «West Side Story». Aus diesem Werk hat der Komponist eine
Orchestersuite mit den Sätzen Scherzo, Mambo, Chacha und Cool arrangiert.
Die bekannten Melodien und Rhythmen wurden auf konzertante Art mit voller
Hingabe und Konzentration durch die Konkordia derart dargeboten, dass das
Publikum zu Beifallsstürmen hingerissen wurde.
Als Schlussnummer war «Riverdance » von Bill Whelan im Programm aufgeführt.
Ursprünglich als Pausenfüller beim Grand Prix d’Eurovision gedacht,
entwickelte sich diese Tanzshow ab 1994 weltweit zu einem Renner
sondergleichen. Diese irische Tanzmusik animierte die Interpreten in
Egerkingen nochmals zu einer Höchstleistung mit Soloeinlagen von Geri Amrein
auf dem Flügelhorn und Michele Leisibach auf dem Sopransax.
Wie nicht anders zu erwarten war, wollte das gutgelaunte Konzertpublikum
Zugaben. Darauf war man vorbereitet, folgt doch nicht bloss ein sogenannter
Ladenhüter, sondern mit «Danza Final» von A. Gianastera nochmals ein
musikalisches Feuerwerk. Die Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen mit
ihrem musikalischen Leiter Carlo Balmelli hat erneut den Beweis erbracht,
dass auch im Amateurbereich Blasmusik auf sehr hohem Niveau möglich ist. Die
zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher wussten das mit
herzlichem Applaus zu honorieren und verdankten in gleicher Weise auch den
traditionellen «Solothurner Marsch» von Stephan Jäggi ganz zum Schluss.